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Spiritismus und Spiritualismus - Begriffsabgrenzungen



Im deutschen Sprachgebrauch wird zwischen zwei Begriffen unterschieden, die ziemlich ähnlich klingen, nämlich zwischen "Spiritismus" und "Spiritualismus".
1. Mit "Spiritismus" ist die Lehre vom Fortleben des Menschen nach dem irdischen Tod gemeint, ohne daß dabei zunächst ein religiöser Bezug beachtet wird. Wenn also z.B. bei einem Versuch paranormal ein Tisch zum Schweben gebracht wird und man den Eindruck hat, daß jenseitige Wesenheiten die eigentlichen Verursacher sind, so ist das ein spiritistisches Phänomen.

2. "Spiritualismus" dagegen ist die Lehre vom persönlichen Überleben des irdischen Todes und der Bindung an Gott. Er ist die Lehre von der Herkunft und Bestimmung des Menschen und der Verantwortlichkeit für seine Handlungen gegenüber Gott. Er ist die Lehre vom Nachrichtenaustausch zwischen Diesseits und Jenseits, zwischen der irdischen und der göttlichen Welt.

Im englischen Sprachraum wird zwischen diesen beiden Gebieten meist nicht streng unterschieden. Dort ist in der Regel mit "Spiritualism" auch das gemeint, was wir im Deutschen mit "Spiritismus" bezeichnen.

Im Sinne dieser Definition sind die sogenannten Offenbarungsreligionen, zu denen auch die Mosaische Religion und das Christentum gehören, ihrem Ursprung und Wesen nach spiritualistische Religionen, auch wenn sie den ursprünglichen Jenseitsverkehr jetzt nicht mehr ausüben. Zunächst sind aber die Lehren dieser Religionen durch Übermittlungen aus einer jenseitigen Welt an Menschen auf dieser Erde zustande gekommen. Auch Christus betont ja ausdrücklich (Joh. 12,49): "Denn ich habe nicht von mir selbst aus geredet, sondern der Vater, der mich gesandt hat, der hat mir Auftrag gegeben, was ich sagen und was ich reden soll, und ich weiß, daß sein Auftrag ewiges Leben bedeutet. Was ich also rede, das rede ich so, wie der Vater es mir gesagt hat."

Wir haben es also, nüchtern gesprochen, mit einem Nachrichtenaustausch zwischen zwei Daseinsbereichen mittels medialer Durchgaben zu tun, wobei "medial" bedeutet, daß ein menschlicher Mittler mit besonderer Begabung eingeschaltet war. (Werner Schiebeler: Die Zuverlässigkeit medialer Durchgaben und die Prüfung der Geister , WerSch Verlag Ravensburg, 1977, S.3)

Viele Christen und besonders Theologen gehen, wenn sie die Worte Geister oder Spiritismus hören, sofort in Angriffshaltung. Sie meinen, daß es sich dabei um die Befragung von Toten handele. Und die habe Gott bereits vor 3000 Jahren dem Mose und damit auch uns verboten (3. Mos. 20,6): "Wenn sich jemand an die Totengeister und Wahrsagegeister wendet und sich ihnen hingibt, so werde ich mein Angesicht gegen einen solchen Menschen kehren und ihn aus der Mitte seines Volkes ausrotten."

Diese Christen wissen nicht, daß mit den Totengeistern die sog. geistig Toten, die gottfeindlichen Geistwesen gemeint sind. Mit denen soll man allerdings keine Verbindung aufnehmen, wie es die Satanisten damals und heute tun. Das Verbot betrifft aber keineswegs die Verbindungsaufnahme mit Gottes guter Geisterwelt.

Aus: Werner Schiebeler: Johannes Greber, sein Leben und sein Werk, Verlag Martin Weber, Schutterwald, 1998, S. 11
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