Zu Christi Zeiten war ich ein Mann namens Millenius und lebte in Rom. In jenem Leben war ich Kaufmann im Hauptberuf, aber ich war ein äußerst neugieriger Herr, und meine Reisen verschafften mir Zugang zu vielen verschiedenen Gruppen von Leuten. Meine körperliche Statur war dick und rund, mein Gebaren ganz und gar nicht patrizierhaft, und in meiner Kleidung neigte ich zur Nachlässigkeit. Wir hatten damals eine Art Schnupftabak, der aus einer bestimmten Strohsorte hergestellt wurde. Den schnupfte ich ständig und oft verschüttete ich etwas davon auf meine Robe. Mein Haus befand sich in dem geschäftigsten nordwestlichen Viertel Roms, genau am Rande dessen, was man das Herz der Stadt nennen würde. Zu meiner Handelsware gehörten auch Glocken für Esel. Dies hört sich vielleicht nicht wie ein großartiger Handelsartikel an, aber die Familien auf den Bauernhöfen außerhalb Roms fanden ihn enorm praktisch. Jede Glocke besaß ihren eigenen Klang, und die Familien konnten am Klang der Glocke ihre eigenen Esel unter unzähligen anderen herauskennen. (Seth 4, S. 394)
Es ist nicht meine Absicht, meine früheren Existenzen hier im Detail zu besprechen; sie dienen nur zur Verdeutlichung bestimmter Punkte. Vor allem bin ich viele Male Mann sowohl als auch Frau gewesen und habe mich in verschiedene Arten von Arbeit vertieft, immer mit dem Vorsatz zu lernen, um lehren zu können. Meine gegenwärtige "Arbeit" baut daher auf der soliden Grundlage physischer Lebenserfahrung auf. Ich habe nie die Rolle einer überragenden Persönlichkeit von historischem Rang gespielt, sondern habe es vorgezogen, meine Erfahrungen unter den familiären, intimen Einzelheiten des menschlichen Alltags zu sammeln. Ich habe das normale Ringen um Arbeitsleistung kennengelernt und das Bedürfnis nach Liebe. Ich habe erfahren, was es heißt, sich als Vater unsäglich nach dem Sohn zu sehnen, als Mann nach seiner Frau, als Frau nach ihrem Mann, und ich wurde bis zum Hals in intime menschliche Beziehungen verstrickt. In vorgeschichtlichen Zeiten war ich ein Lumanianer, und später wurde ich in Atlantis geboren. Nach eurer historischen Zeitrechnung kehrte ich zur Zeit der Höhlenbewohner wieder, und zwar in meiner Funktion als Sprecher. Nun bin ich schon immer ein Sprecher gewesen, unabhängig von dem physischen Beruf, den ich jeweils ausübte. In Dänemark war ich Gewürzhändler und kannte dort Ruburt und Joseph. In mehreren Leben war ich ein Schwarzer - einmal in dem Teil der Welt, der sich heute Äthiopien nennt, und einmal in der Türkei. Meine Erfahrung mit weiblichen Existenzen reichte von der häßlichen alten Jungfer in Holland bis zur Kurtisane zu des biblischen Davids Zeiten und mehreren schlichten Leben als Mutter von vielen Kindern. (Seth 4, S. 399)
Oft zeigte ich eine Vorliebe für körperliche Fülle und hatte sie auch. Zweimal bin ich Hungers gestorben. Ich habe meine Tode immer als sehr lehrreich empfunden - in eurem Sinne hinterher. Es war stets ein Gewinn, zwischen den Leben den Gedanken und Ereignissen nachzuspüren, die zu meinem jeweiligen Ableben geführt hatten. (Seth 4, S. 401)
Ich war einmal eine Mutter mit zwölf Kindern. Unbeleckt von jeglicher Bildung, alles andere als schön, besonders in reiferen Jahren, mit einem ungezügelten Temperament und rauher Stimme. Dies war in der Nähe von Jerusalem im sechsten Jahrhundert. Die Kinder hatten viele Väter. Ich tat mein Bestes, sie durchzubringen. Meine Name war Marshaba. Wir lebten, wo immer wir konnten, kampierten in Torwegen und bettelten schließlich alle. Doch in dieser Existenz besaß das Leben Kontraste und eine Prägnanz, die alles, was ich vorher erlebt hatte, weit in den Schatten stellte. Eine Brotkruste war viel köstlicher für mich als jedes Stück Kuchen mit noch so schönem Zuckerguß in allen meinen Leben davor. Wenn meine Kinder lachten, überwältigte mich die Freude, und trotz aller Entbehrungen, die wir erduldeten, war jeder Morgen eine triumphierende Überraschung, daß wir im Schlaf nicht gestorben und nicht dem Hunger erlegen waren. Ich hatte dieses Leben absichtlich gewählt, so wie jeder von euch seine Leben wählt, weil mich meine früheren Existenzen zu blasiert gemacht hatten. Ich war zu behütet. Ich konnte mich nicht mehr klar auf die wahrhaft spektakulären körperlichen Genüsse und Erfahrungen konzentrieren, die die Erde zu bieten hat. (Seth 4, S. 406-407)
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