Beispiel eines Stotterers
Die Behinderung in diesem Leben begann zu einer Zeit, 1507, als er nicht sprach und sprechen hätte müssen, denn das Leben eines Mannes stand auf dem Spiel. Er sprach nicht, weil er Angst hatte, und nun kann er nicht sprechen, wenn er es sich am meisten wünscht.
Dem kann abgeholfen werden. Es ist einigermaßen verständlich, wenn man ein Schuldgefühl ein Leben lang mit sich herumschleppt. Ein Schuldgefühl, das seelisch seit ungefähr 1500 andauert, heißt das Gewissen ein bißchen überstrapazieren. Er hat sein ursprüngliches Unrecht mehr als wieder gutgemacht, das zudem unter den damaligen Umständen verständlich war.
Da war eine Armee aus einem anderen Land, eine Invasion. Man glaubte, daß es in der Kompanie dieser Person einen Verräter gäbe. Man hielt den Mann, der nun bei dieser Sitzung anwesend ist, für diesen Verräter. Er wies das von sich. Aber als man zu dem Schluß kam, daß ein anderer Mann der Schuldige sei, ein Mann, von dem er wußte, daß er unschuldig war, ließ er sie, um seinen eigenen Hals zu retten, glauben, daß der unschuldige Mann schuldig sei.
Dafür bezahlte er wieder und wieder. Niemand verlangte das von ihm. Schon damals fühlte er sich wegen seines Verrats schuldbewußter und quälte er sich mehr als es bei den meisten anderen der Fall gewesen wäre. In seinem unmittelbar letzten Leben plagte er sich mit einem nicht zu gebrauchenden Arm, rechten Arm, damit er, seht ihr, nicht wieder auf jemanden deuten konnte. Diesmal ist der selbstauferlegte Defekt geringfügiger, eher ein Ärgernis. Aber ein solches Ärgernis kann zur Tortur werden. (Seth 6, S. 214-215)
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